TeideCam
DEENES

HINTER DEM AUSBLICK

Plaza del Charco: Der Platz, an dem Puerto de la Cruz zusammenkommt

Wer Puerto de la Cruz kennenlernen möchte, kann am Meer beginnen, durch die Altstadt gehen oder sich erst einmal auf eine Bank setzen. An der Plaza del Charco ist Letzteres ein guter Anfang. Baumkronen spenden Schatten, Wege führen am grünen Mittelpunkt vorbei, und ringsum geht die Stadt ihrem Alltag nach. Der Platz ist ein Ziel und zugleich ein Ort, an dem sich Wege kreuzen.

Für die TeideCam hat er eine besondere Bedeutung: Die Kamera steht auf einer Dachterrasse über seiner nordöstlichen Ecke. Ihr Blick geht über die Bäume und Dächer nach Südwesten, in Richtung Teide. Wer das Bild betrachtet, sieht deshalb auch ein Stück der Landschaft, in die dieser Stadtplatz eingebettet ist. Die Geschichte direkt unterhalb der Kamera reicht jedoch weit über den heutigen Ausblick hinaus.

Bäume, Bänke und der bepflanzte Brunnen: ein Blick in die Plaza del Charco am 23. Juni 2012.
Bäume, Bänke und der bepflanzte Brunnen: ein Blick in die Plaza del Charco am 23. Juni 2012.Foto: El fosilmaníaco · Plaza del Charco Puerto de la Cruz.JPG · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0. Verkleinert und als WebP gespeichert; kein Beschnitt.

Warum heißt der Platz „Charco“?

Das spanische Wort charco bedeutet Wasserlache oder Tümpel. Hinter dem Namen steckt hier die Nähe zum Atlantik. Die örtliche Überlieferung verbindet den Platz mit Salzwasseransammlungen, die sich im Bereich hinter dem Hafen bildeten. Die ausführlichere Bezeichnung Plaza del Charco de los Camarones erinnert zusätzlich an kleine Garnelen, die camarones.

Die kommunale Beschreibung berichtet schon für das frühe 17. Jahrhundert von Salzwasserbecken, die unterirdisch mit dem Meer verbunden waren. Der heutige Name bewahrt die Erinnerung an diese ungewöhnliche Vorgeschichte. [1]

Eine städtebauliche Bestandsaufnahme der kanarischen Regierung beschreibt den Zusammenhang noch räumlicher: Die schmale Hafeneinfahrt und der dahinterliegende Bereich waren bei hohem Wasserstand mit dem großen charco verbunden. Mit dem Umschlag von Waren entwickelte sich in diesem Umfeld nach und nach ein städtisches Gefüge. Der heutige Platz lässt sich deshalb besser verstehen, wenn man ihn zusammen mit dem nahen Hafen betrachtet. [2]

Ein Platz ohne eindeutigen Geburtstag

Nicht jeder historische Stadtplatz wurde an einem bestimmten Tag eröffnet. Auch für die Plaza del Charco lässt sich kein verlässliches einzelnes Gründungsjahr nennen. Der örtliche Tourismusverein CIT beschreibt einen schon lange vorhandenen offenen Treffpunkt, der seine eigentliche Funktion als gestalteter Platz im 18. Jahrhundert erhielt.

Eine wichtige Umgestaltung folgte 1835. Für 1880 nennt der CIT die Pflasterung der Spazierwege. Weitere Veränderungen kamen später hinzu, darunter ein Musikpavillon und die große Erneuerung Anfang der 1990er-Jahre. So entstand das heutige Bild in mehreren Schritten. Die Plaza ist kein unverändert erhaltenes Bühnenbild aus einer einzigen Epoche. Sie ist ein über lange Zeit genutzter und immer wieder angepasster Stadtraum. [3]

Gerade diese langsame Entwicklung macht einen Teil ihres Reizes aus. Wer nach einem einzigen Baujahr sucht, übersieht leicht das Wesentliche: Viele Generationen haben den Platz benutzt, verändert und mit Bedeutungen versehen. An seiner Geschichte lässt sich ablesen, wie aus einer meeresnahen Freifläche ein öffentlicher Mittelpunkt wurde.

Eine Geschichte von zwei Bankentwürfen

Im Nachlass des Chronisten und Zeichners José Agustín Álvarez Rixo ist ein Entwurf von 1835 für steinerne Sitzbänke verzeichnet. Die historische Beschriftung erklärt sinngemäß: Dies war ein zweiter Vorschlag; ausgewählt wurde der erste, weil er einfacher und preiswerter umzusetzen war.

Diese kleine Spur erzählt von Aufwand, Geld und der Frage, wie Menschen hier sitzen sollten. Zwischen den großen Ereignissen der Stadtgeschichte bewahrt sie einen ganz praktischen Gedanken: Ein Platz braucht auch gute Gelegenheiten zum Verweilen. [4]

Die Politik wechselte die Namen, der Alltag hielt am Charco fest

Im Lauf der Zeit trug der Platz unterschiedliche offizielle Bezeichnungen, darunter Plaza de la Constitución, Plaza Real und in der Franco-Zeit eine Benennung nach dem Diktator. Im heutigen Namen lebt wieder der ältere Bezug zum Wasser weiter. Die örtliche Tourismusdarstellung betont, dass der Name Charco im Sprachgebrauch der Bevölkerung über die politischen Umbenennungen hinweg bestehen blieb. [3]

Wie sichtbar politische Ereignisse den Platz prägen konnten, zeigt auch eine von Álvarez Rixo festgehaltene Ansicht zur Verfassungsfeier von 1820. Der Universitätskatalog beschreibt dafür geschmückte Zugänge und einen vorübergehenden Festaufbau. Der Platz war also nicht nur Durchgangsraum, sondern auch ein Ort öffentlicher Darstellung. [4]

Die verschiedenen Namen erzählen von politischen Epochen. Der überdauernde Alltagsname erzählt von der Bindung der Menschen an ihren Ort. Beides gehört zur Geschichte dieses Platzes.

Bäume, Schatten und die berühmte Ñamera

Zu den unverwechselbaren Merkmalen der Plaza gehören die großen laureles de Indias und die kanarischen Palmen. Nach der städtischen Darstellung wurden die namensgebenden Indischen Lorbeerbäume 1852 aus Kuba hergebracht. Das bedeutet nicht, dass jeder heutige Baum nachweislich aus jener Lieferung stammt. [1]

Im Mittelpunkt liegt das Wasserbecken mit der ñamera. Mit diesem auf den Kanaren gebräuchlichen Pflanzennamen verbindet sich hier ein besonders bekanntes Bild: große grüne Blätter über dem Wasser, umgeben vom Schatten der Bäume. Die offizielle Insel-Tourismusdarstellung nennt das Becken mit seiner Pflanze ausdrücklich als eines der erhaltenen Kennzeichen des Platzes. [5]

Der Begriff Plaza lässt vielleicht zunächst an eine große gepflasterte Fläche denken. Hier bestimmen jedoch ebenso Grün, Schatten und unterschiedliche Aufenthaltsbereiche den Charakter. Die touristische Ortsbeschreibung hebt neben der Bepflanzung auch die zentrale Fläche aus Erde beziehungsweise vulkanischem picón und den umlaufenden Spazierweg hervor. Das passt zu einem Platz, auf dem man sich bewegen und ebenso gut eine Weile bleiben kann. [6]

Die Ñamera im Brunnen der Plaza del Charco, aufgenommen am 16. Mai 2011. Die Nahansicht zeigt den grünen Mittelpunkt des Platzes.
Die Ñamera im Brunnen der Plaza del Charco, aufgenommen am 16. Mai 2011. Die Nahansicht zeigt den grünen Mittelpunkt des Platzes.Foto: RaSlaMa · Plaza del Charco.JPG · Wikimedia Commons · CC BY 3.0. Verkleinert und als WebP gespeichert; kein Beschnitt.

Mehr als ein Fotomotiv

Der Wert der Plaza liegt nicht allein in ihrer Geschichte oder in der berühmten Pflanze. Es ist ein öffentlicher Raum, der verschiedene Menschen zusammenbringt. Eine geographische Abschlussarbeit an der Universität La Laguna widmete sich genau dieser Funktion. Alberto Higuera Crespo untersuchte 2015 die Plaza durch direkte Beobachtung und Befragungen von Einwohnern und Besuchern. Im Mittelpunkt standen ihre Bedeutung als sozialer Treffpunkt und ihre verbindende Rolle im Stadtgefüge. [7]

Das ist eine andere Perspektive als die eines klassischen Sehenswürdigkeitenverzeichnisses. Ein Platz muss nicht ständig etwas Spektakuläres bieten, um wichtig zu sein. Er braucht Wege, die Menschen nutzen, und Stellen, an denen sie bleiben möchten. An der Plaza del Charco gehören Bewegung und Aufenthalt zusammen: Man verabredet sich, macht eine Pause oder kommt einfach auf dem Weg durch die Innenstadt vorbei.

Auch das bekannte Dinámico gehört zur sozialen Erinnerung des Ortes. Die Stadt beschreibt es rückblickend als Treffpunkt für Gespräche im progressiven und intellektuellen Milieu. Die große Platzumgestaltung, die nach kommunaler Darstellung 1993 abgeschlossen war, bewahrte dieses Element. [1]

Palmen und Pavillons prägen den grünen Stadtplatz. Aufnahme der Plaza del Charco vom 15. August 2016.
Palmen und Pavillons prägen den grünen Stadtplatz. Aufnahme der Plaza del Charco vom 15. August 2016.Foto: Psmola · Plaza-del-charco.jpg · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0. Verkleinert und als WebP gespeichert; kein Beschnitt.

Als der Hafen ins Wasserbecken umzog

Eine besonders schöne, fotografisch dokumentierte Geschichte verbindet den grünen Mittelpunkt der Plaza mit dem Meer. Im Juli 2012 wurde im Becken der Ñamera der Hafen als Miniaturlandschaft nachgebildet. Ein örtlicher Bericht zeigt die kleinen Bauten und nennt die Agrupación Ranillera sowie die Nachbarschaftsvereinigung La Peñita als Beteiligte.

So wurde das Wasserbecken vorübergehend selbst zu einem kleinen Ozean. Die Darstellung brachte bekannte Orte und Erinnerungen mitten auf den Platz. Sie zeigt, wie eng örtliche Identität mit diesem scheinbar einfachen öffentlichen Raum verknüpft ist. Die Fotos von 2012 bewahren diesen besonderen Moment, in dem der Hafen auf dem Platz noch einmal eine eigene kleine Bühne bekam. [8]

Der Hafen gehört zum Verständnis des Platzes

Nur wenige Schritte entfernt liegt der Muelle Pesquero. Die kommunale Beschreibung erinnert daran, dass Puerto de la Cruz im 18. Jahrhundert zu den dynamischen Hafenorten des Archipels gehörte. Zugleich beschreibt sie den heutigen Hafen als Ort kleiner Fischerboote, des Badens und gemeinsamer Traditionen. Die wirtschaftliche Nutzung hat sich verändert, die Verbindung der Stadt mit dem Meer ist geblieben. [9]

Für einen Spaziergang lohnt es sich daher, Plaza und Hafen zusammenzudenken: zunächst das geschützte Grün und die umliegenden Straßen, dann die Öffnung zum Atlantik. Auf diese Weise erklärt sich auch der Name des Platzes fast von selbst. Das Meer ist hier keine entfernte Kulisse, sondern ein Teil seiner Entstehungsgeschichte.

TeideCam: Standort und BlickrichtungVereinfachte Karte mit realer Inselkontur und Straßen rund um die Plaza del Charco. Die Kamera steht ungefähr an der nordöstlichen Ecke und blickt zum Teide. Der Teide liegt auf der Mittellinie des schematischen Sichtkegels.Calle PerdomoCalle QuintanaCalle BlancoPlaza delCharcoTEIDECAMNordöstliche EckeBlick zum Teide · SWPUERTO DE LA CRUZNTENERIFFAPuerto de la CruzTeideStandort und BlickrichtungSichtkegel schematisch · nicht vermessenKartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende · Inselkontur: Natural Earth
Standort der TeideCam und Blickrichtung nach Südwesten. Sichtkegel schematisch, nicht vermessen.

Was die TeideCam von hier aus zeigt

Baumkronen der Plaza del Charco und die Dächer von Puerto de la Cruz, 23. Oktober 2026 um 10:41 Uhr.
Baumkronen der Plaza del Charco und die Dächer von Puerto de la Cruz, 23. Oktober 2026 um 10:41 Uhr. © TeideCam

Die TeideCam richtet sich von der Dachterrasse über der nordöstlichen Ecke der Plaza nach Südwesten. Im Vordergrund stehen die Baumkronen des Platzes und die Dächer von Puerto de la Cruz. Dahinter liegt die Berglandschaft; die Ladera de Tigaiga begrenzt das Orotava-Tal auf seiner westlichen Seite. Wenn Wolken und Fernsicht es erlauben, erscheint weiter oben der Teide.

Die Kamera zeigt damit den Zusammenhang von Stadt und Landschaft. Sie ist keine Nahaufnahme des Platzlebens: Das Becken und die Menschen auf den Wegen stehen nicht im Mittelpunkt des Bildes. Wer die Plaza kennt, erkennt im Blick über die Baumkronen jedoch ihren Standort wieder. Wer sie erst kennenlernen möchte, erhält eine Vorstellung davon, wie nah städtischer Alltag und große Bergkulisse hier beieinanderliegen.

Auch an einem Tag ohne sichtbaren Gipfel bleibt dieser Ort derselbe: ein Stadtplatz unter Bäumen, wenige Schritte vom Hafen entfernt. Oberhalb verändern die Wolken den Blick. Unterhalb setzt Puerto de la Cruz seinen Alltag fort.

Quellen & weiterführende Informationen
  1. Stadt Puerto de la Cruz: Plaza del Charco ↗
  2. Gobierno de Canarias: Städtebauliche Bestandsaufnahme Puerto de la Cruz ↗
  3. CIT Puerto de la Cruz: Entwicklung der Plaza del Charco ↗
  4. Universität La Laguna: Álvarez-Rixo-Katalog, Katalogeintrag S. 242 ↗
  5. Turismo de Tenerife: Plaza del Charco ↗
  6. Wonderful Tenerife: Puerto de la Cruz und seine Plätze ↗
  7. Universität La Laguna: Untersuchung zur Plaza del Charco ↗
  8. PUERTODELACRUZ.COM: Der Hafen im Becken der Plaza, 9. Juli 2012 ↗
  9. Stadt Puerto de la Cruz: Muelle Pesquero ↗

Weiter entdecken

Zum aktuellen Kamerabild ↗Warum verschwindet der Teide hinter Wolken? →Webcam-Atlas →
↑ Zurück nach oben